Deutsche Teilung

Mit der doppelten Staatsgründung im Jahr 1949 existierten auf  deutschen Gebiet von nun an zwei eigenständige Staaten.

Aus den westalliierten Besatzungszonen ging mit der Unterzeichnung des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland hervor. Die Staats- und Verwaltungsstruktur umfasste 11 Bundesländer. Seither ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer sozialer Bundesstaat. Bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland machten die drei westalliierten Siegermächte ihren Einfluss geltend. 

GrundgesetzSo wurde als zentraler Baustein der neu zu erarbeitenden Verfassung die demokratische Grundordnung ausdrücklich vorgegeben. Eine entsprechende Anweisung erhielten die Ministerpräsidenten der Länder in den westlichen Besatzungszonen am 1. Juli 1948 in Frankfurt am Main. Mit Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in das Nordatlantische Bündnis im Jahr 1955 waren die westalliierten Siegermächte des II Weltkriegs Bündnispartner Deutschlands.

Im Verlauf des sich zuspitzenden Konflikts zwischen Amerika und der Sowjetunion setzten beide Kontrahenten auf das Wettrüsten und der militärischen Abschreckung.

Unterzeichnung des Grundgesetzes, Quelle: Grenzlandbildstelle

Auch die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik kühlten merklich ab.

Im gesamten Bundesgebiet wurden nunmehr verstärkt amerikanische, englische sowie französische Soldaten stationiert. In den Kasernen und militärischen Anlagen der alliierten Truppen sowie für die ausländischen Soldaten galt für die Zeit der Stationierung das jeweilige ausländische Landesrecht. Die Bundeswehr, welche im Jahr 1955 neu aufgestellt wurde hatte in erster Linie die Aufgabe zur Landesverteidigung.

NuklearGerade in der heißen Phase des Kalten Kriegs erfolgten nach politischen Vorgaben der Bundes- sowie Landesregierungen zahlreiche Zivilschutzmassnahmen für die Bevölkerung. So gab es Förder- und Maßnahmenprogramme zum Einbau von Luftschutzbunkern beim Bau oder Umbau von privaten oder gewerblich genutzten Häusern. Auch unter Krankenhäusern, Landratsämtern oder Verwaltungskomplexen sowie in verschiedenen Stadtteilen waren Schutzbunker sowie Leitstände für den Verteidigungs- und atomaren Erstschlag errichtet. Auf politischer Ebene wurden Ausweichmöglichkeiten der Regierungen sowie unterschiedliche Kriegs- und Verteidigungsszenarien geplant und regelmäßig geübt.

 Grafische Darstellung zum Ost-West-Konflikt, Quelle: Weißbuch, 1979

Am 7. Oktober 1949 kam es auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)

Unter Einfluss der Sowjetunion wurden die Leitlinien eines demokratischen Zentralismus verfolgt. Anfangs existierten in der DDR noch die fünf Länder. Im Jahr 1952 wurden diese durch 14 Bezirke mit Verwaltungsstrukturen ersetzt. Die politische Führung ging von nun an von Berlin (Ost) aus.

gründungDurch die DDR-Einheitspartei erfolgte eine diktatorische Kontrolle sämtlicher staatlicher sowie gesellschaftlicher Ebenen. Auch der Aufbau einer engmaschigen Grenzziehung an der Schnittstelle zur Bundesrepublik Deutschland wurde zu diesem Zeitpunkt von der Sowjetunion vorgegeben. Um die DDR in den Warschauer Pakt aufnehmen zu können wurde die Kriegs- und Besatzungszeit per Vertrag mit der Sowjetunion im Jahr 1955 offiziell aufgehoben. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Nationalen Volksarmee. Im Rahmen der sich zuspitzenden Ost-West-Konfrontation erfolgte unter massiver Einflussnahme der Sowjetunion von nun an eine  kommunistische zentralistische Ausrichtung der politischen Entscheidungsträger.

Gründungsfeier der DDR, Quelle: Grenzlandbildstelle

Die sowjetische Armee unterhielt auf dem Territorium der DDR zahlreiche Stützpunkte, Übungsanlagen und Verteidigungsstellungen. Um bei kriegerischen Handlungen politisch entscheidungsfähig zu bleiben, hatten u.a. Parteifunktionäre, militärische Vorgesetzte oder Bezirkssekretäre Schutz- und Bunkeranlagen. In der gesamten DDR war somit ein Netz von Verteidigungs- sowie Führungs- und Leitbunkern errichtet. Auch für die Bevölkerung standen Luftschutz- sowie Verteidigungsschutzanlagen zur Verfügung.

Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden auf Seiten West sowie Ostdeutschlands ein Großteil der für die Zeit der deutschen Teilung relevanten Baulichkeiten überflüssig.

 

Hinweis zur Denkmalforschung

Das Spektrum der zuordnungsfähigen Sachzeugnisse aus dieser Zeit ist umfänglich und mannigfaltig.

Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland

So gehören zu den aussagekräftigen Baulichkeiten z. B. die Anlagen der amerikanischen, englischen und französischen Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990.

Dazu zählen u. a. Wohnkomplexe, Kasernen, Übungsanlagen, Raketenstellungen, Lenkwaffen und Aufklärungsanlagen sowie Führungseinrichtungen.

Auch militärische Komplexe der Bundeswehr wie z. B. Kasernen, Manövergelände, Radaranlagen sowie die Einrichtungen der Elektronischen Kampfführung (Eloka) sind hierbei aufzuführen.

Auch Baulichkeiten oder künstlerische Ensembles mit Bezug zur amerikanischen, englischen oder französischen Weltanschauungen gehören zu diesem Spektrum.Bunker

Hinzuzufügen sind die umfänglichen Möglichkeiten des Selbst- Zivil- und Verteidigungsschutzes. Hier wurden für die Bevölkerung Luftschutzbunker errichtet. Für politisch wichtige Gremien oder Verwaltungen standen Führungs- und Leitstände für den Verteidigungsfall zur Verfügung.

Minensperren sowie Vorrichtungen zum Sprengen von Brücken oder Verkehrsknotenpunkten im Verteidigungsfall ergänzen die baulichen Zeugnisse der Teilungszeit.

Privater Atomschutzbunker, Vergleichsbild, Quelle: Bundesamt für Zivilschutz

Auch hatten die Bundesregierung sowie die Landesregierungen sogenannte Regierungsbunker in unterschiedlicher Größenordnung.

Grundsätzlich sind alle Baulichkeiten, welche in diese Zeitspanne fallen nach ihrer Relevanz einzuordnen.

Auch Verwaltungskomplexe unterschiedlicher Art, wie z.B. Gebäude der Bundes- und Landesregierungen, Ministerien oder der Verwaltung können Aufschluss über das Denken und Handeln der Bevölkerung in dieser Zeit geben. 

Hinzu kommen Objekte mit künstlerischer Gestaltungen, Denkmale oder zweckgebundene Baulichkeiten mit eindeutigen Bezug zur Teilungszeit.

 

Auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik

Die DDR ist nach der politischen Wende vom 9. November 1989 und dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Grundgesetz am 3. Oktober 1990 als eigenständiger Staat aufgelöst worden. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte eine komplette Umstellung der Verwaltungs- und Gesellschaftsstruktur nach westdeutschen Vorgaben.

ddrInnerhalb der 40-Jährigen Geschichte des Landes wurden in allen Lebens- Gesellschafts-, sowie politischen Ebenen unterschiedliche Baulichkeiten errichtet. Dazu zählen u.a. die Einrichtungen der politischen Führung, Justiz, Volkspolizei, Nationale Volksarmee, Sowjetische Armee, Betriebskampftruppen, Organisationen und andere. Gerade im Umgang mit dem täglichen Leben finden sich bauliche Zeugnisse der DDR-Vergangenheit.

 

Regierungsbunker der DDR-Führung, Quelle: Grenzlandbildstelle

Hierzu zählen:

konsumWohnanlagen (teilweise mit künstlerischer Gestaltung). Verkaufsstellen mit Werbeschriftzügen. Volkseigene Betriebe und Kombinate sowie Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG), Sportstätten sowie Trainingsanlagen z.B. mit Werbeschriftzügen oder für den Spitzensport in der DDR. Denkmale, z.B. zur sowjetischen Freundschaft oder mit Idolen und Vorbildern des DDR-Staats. Gebäude, künstlerische Gestaltungen oder Zweckbauten welche auf die Präsenz oder die Einflussnahme der Sowjetischen Ideologie hinweisen. Verwaltungskomplexe wie z.B. Rat des Bezirks, Rat der Stadt/Kreis, Rat der Gemeinde. Kultureinrichtungen, Kulturhäuser, Jugendklub. Schulen und Kindergärten, teilweise mit künstlerischer Gestaltung. Und weitere.

 KONSUM-Verkaufsstelle der DDR, Quelle: Grenzlandbildstelle

Entscheidend für den Umgang mit diesen Baulichen Zeugnissen der 40-Jährigen DDR-Geschichte ist die Aussagefähigkeit und das Wiederspiegeln der eigenen DDR-Kultur

Auch auf die Lebensleistung der Menschen in der DDR sowie ihren Wertvorstellung sollte hierbei eingegangen werden.

In der praktischen Feldforschung zu den Hinterlassenschaften und der Einstufung als bauliches Zeugnis wird sicherlich eine umfängliche Dokumentation dieser Objekte die praktische Ausgangssituation begründen.

Einen besonders sensiblen Umgang sowie denkmalhistorisch korrekte Umgangsweise erfordern die bereits zur DDR-Zeit ausgewiesenen Bau- oder Bodendenkmale. Bei der Bewertung dieser baulichen Zeugnisse sollte den momentan vorherrschenden politischen Interessen kein Spielraum gegeben werden.